1. Heraklit (6.–5. Jh. v. Chr.) – „panta rhei“: Alles fließt
Grundidee: Die Welt ist in ständiger Veränderung.
Nichts bleibt gleich – alles entsteht, vergeht und verwandelt sich.
Sein ist also Prozess, nicht etwas Starres.
→ Sein = Werden.
2. Parmenides (5. Jh. v. Chr.) – „Das Sein ist, das Nichtsein ist nicht“
Gegenposition zu Heraklit.
Nur das Sein ist wirklich und unveränderlich.
Veränderung und Vielheit sind Täuschungen der Sinne.
→ Sein = Ewige, unveränderliche Einheit.
3. Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) – „Das Sein wird auf viele Weisen gesagt“
Vermittlung zwischen Heraklit und Parmenides.
Es gibt viele Formen von Sein: Sein als Substanz, als Eigenschaft, als Möglichkeit usw.
Aristoteles entwickelt eine Ontologie der Kategorien: das Sein zeigt sich unterschiedlich in Dingen, Handlungen, Beziehungen usw.
→ Sein = Vielschichtige Wirklichkeit.
4. Erasmus von Rotterdam (16. Jh. n. Chr.) – „Glücklich ist, wer das sein will, was er ist.“
Erasmus von Rotterdam hat das Sein als ein Ziel beschrieben, das eng mit Authentizität und Glück verbunden ist.
Erasmus sah das Sein im Kontext des Humanismus als den Menschen, der sich selbst hinterfragt und nach Maßstäben für ein gutes Leben sucht. Dabei verstand er das Menschliche als etwas, das durch Bildung und selbstständiges Denken geformt wird und kritisch-traditionelle Strukturen prüft.
→ Sein = er betont ein authentisches, reflektiertes Sein.
5. René Descartes (17. Jh. n. Chr.) – „Ich denke, also bin ich“
Der Beginn der neuzeitlichen Philosophie.
Sein wird an das Bewusstsein und das Denken gebunden.
Nur das, was im Denken gewiss ist, gilt als wirklich.
→ Sein = Bewusstes, denkendes Dasein (res cogitans).
6. Immanuel Kant (17.–18. Jh. n. Chr.) die 4 Hauptfragen des Menschen:
Stellt die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis.
Seine vier Hauptfragen:
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?
Sein ist bei Kant nicht direkt erkennbar, sondern nur in der Erscheinung, so wie es uns durch unsere Erkenntnisformen gegeben ist.
→ Sein = Das, was innerhalb der Grenzen menschlicher Erkenntnis erscheint.
7. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (18.–19. Jh. n. Chr.) – „Sein ist Werden“
Kritisiert das statische Denken über das Sein.
Für ihn ist das wahre Sein Bewegung, Entwicklung, Dialektik – die Einheit von Sein und Nichts.
→ Sein = Dialektischer Prozess, ständiges Werden.
8. Martin Heidegger (19.–20. Jh. n. Chr.) – „Was heißt Sein?“
Fragt nicht was das Sein ist, sondern wie es sich zeigt.
Sein ist nicht ein Ding, sondern das Sich-offenbaren des Seienden (das, was uns begegnet).
Der Mensch („Dasein“) ist das Wesen, das zum Sein in Beziehung steht.
→ Sein = Sichzeigen des Seienden im Erleben des Menschen.
9. Alfred North Whitehead (19.–20. Jh. n. Chr.) – „Das Sein ist eine Abfolge von Ereignissen“
Entwickelt eine Prozessphilosophie.
Die Wirklichkeit besteht nicht aus festen Dingen, sondern aus Ereignissen, Vorgängen und Beziehungen.
→ Sein = Prozesshaftes Geschehen, Netz von Ereignissen.
– Wie definierst DU DEIN Sein ?
Intressante Betrachtungen im weiteren Sinne des Seins:
• Harald Lesch - Quantenmechanik für Einsteiger
oder
• Harald Lesch - Wir haben keine Ahnung, warum es Materie gibt