Die Geschichte Berns ist faszinierend. Von der Stadtgründung von 1191 mit wenigen 100 Einwohnern wuchs Bern innerhalb von 350 Jahren zum grössten Stadtstaat nördlich der Alpen. Er reichte von der Reuss bis über den Genfersee hinaus nach Thonon. In der gedrängten Zusammenfassung auf unter 100 Seiten habe ich nur die wichtigen Ereignisse berücksichtigt, die die Entwicklung Berns und des Oberaargaus direkt betroffen haben. Die Schilderungen der Ereignisse aus Sicht der Gemeinde Melchnau geben einen Einblick ins Alltagsleben, wodurch ein plastischeres Bild der Lebensumstände entsteht. Durch die Beschränkung auf die wesentlichen Entwicklungen liest sich die Geschichte fliessend.
Entscheidend für den Aufstieg von Bern war die Ernennung zur freien Reichsstadt durch den Staufen Kaiser Friederich II 1218 nach dem Tod des letzten Zähringer Herzogs Berchtold V. Die Reichsfreiheit hat Rudolf I von Habsburg 1277 bestätigt.
Die erste Bewährungsprobe Berns endete in der Schlacht von Laupen 1339 mit einem klaren Sieg über den westschweizerischen Adel und bereitete den Beitritt zur Eidgenossenschaft als achter Ort vor. Bern und die Verbündeten trugen als Erkennungszeichen ein weisses Kreuz, aus dem später das Schweizer Wappen wurde.
Bern bediente sich verschiedener Erfolgsfaktoren. Das wichtigste Erfolgsgeheimnis war die effiziente Staatsführung. Die Berner Patrizier wurden für ihre Regierungstätigkeit nicht entschädigt, da man annahm, dass sie vom Ertrag ihrer Güter leben konnten. Ihre adeligen Konkurrenten hingegen pflegten einen aufwändigen Lebensstil und mussten stehende Heere finanzieren. Bern hingegen verpflichtete seine eigene Landbevölkerung zum Wehrdienst. Grossbauern, Mühlebesitzer, Wirte und reiche Händler mussten einen teuren Draguner stellen. In den eroberten Gebieten liess Bern die lokalen Eliten unangetastet und setzte zu deren Aufsicht lediglich Landvögte und zu deren Unterstützung Staatsschreiber ein. Die Vögte mussten aber peinlich genau über die Einnahmen und Ausgaben Buch führen. Bern war deshalb finanziell sehr potent und nützte jede Gelegenheit um Gebiete zu kaufen. Bei günstiger Gelegenheit fanden jedoch auch Eroberungen statt z. B. Aargau 1415. In den Friedensverhandlungen konnten sie jeweils die eroberten Gebiete gegen eine Entschädigung behalten. Aus Gebieten mit geringem Einfluss nahm der Stadtstaat Bern sogenannte Ausburger auf, die somit verpflichtet wurden Berner Interessen zu vertreten. Bern verstand es die Mittel Geld oder Waffengewalt geschickt situativ einzusetzen.
Eine wichtige Rolle spielte Bern bei der Gründung des Bundesstaatesvon 1848, da weitgehend die radikale, zentralistische Berner Verfassung von 1846 übernommen wurde. Treibende Kraft bei beiden Verfassungen war der Freischarenführer und späterer Bundesrat Ulrich Ochsenbein.